MannheimerMorgen  26.04.21 von Konstantin Gross

Süd/Neckarau - Matthias Nuß neuer Chef der Realschule / Bisherige Amtszeit von Corona geprägt / Aber Pläne für die Zeit danach

 

Matthias Nuß neuer Chef der Realschule: „Lage im Herzen des Stadtteils als Chance und Auftrag“

Freitag vergangener Woche. Für 9 Uhr ist das Gespräch der Redaktion mit Matthias Nuß verabredet. Doch irgendwie gibt es günstigere Termine. Denn im Sekretariat der Schule herrscht gerade eine gewisse Hektik. Die Corona-Tests für den Unterrichtsmodus, der diese Woche starten soll, treffen ein, ihre Verteilung muss organisiert werden. Doch der Schulleiter ist die Ruhe selbst: „So ist das derzeit eben“, lacht er.

 

Matthias Nuß hätte sich dennoch wohl günstigere Umstände gewünscht, unter denen er seine neue Stelle antritt. Denn seit 7. Dezember vergangenen Jahres ist er Leiter der Wilhelm-Wundt-Realschule Mannheim–Neckarau, und die Zeit seither ist natürlich von der Bewältigung der Corona-Krise geprägt. Dass seine übliche offizielle Amtseinführung daher ebenso wenig möglich ist wie die verdiente Verabschiedung seines Vorgängers Harald Bernhart, ist da noch das kleinste Problem. Doch einen erfahrenen Pädagogen wie Nuß bringt das nicht aus dem Tritt.

 

Nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg macht der gebürtige Ludwigshafener sein Referendariat am Tulla, das bekanntlich einige Jahre zuvor vom Gymnasium in eine Realschule umgewandelt worden ist.

 

Grundschule zieht aus

 

Doch damals sind die Zeiten schlecht für Lehramtsabsolventen, zumindest in Baden-Württemberg. Hier herrscht Einstellungsstopp, Nuß wechselt auf die linke Rheinseite, wo es besser aussieht. Doch Mannheim, „diese pulsierende, bunte Stadt“, ist ihm einfach ans Herz gewachsen. Nach sieben Jahren kehrt er ans Tulla zurück, ist dort zuletzt stellvertretender Schulleiter.

 

Doch der engagierte Pädagoge, privat gerne auf seiner Harley unterwegs, möchte auch selbst gestalten. So bewirbt sich der damals 51-Jährige auf die freiwerdende Schulleiterstelle in Neckarau, als diese mit dem Ruhestand von Harald Bernhart frei wird. Der Auswahlprozess zieht sich lange hin, denn auch dieser leidet unter Corona. Doch im Dezember kann er sein Amt antreten.

 

40 Lehrkräfte unterrichten hier 410 Schüler, eine mittlere Größe für Realschulen in Mannheim, aber mit gesicherter Resonanz, stets zwei- bis dreizügig. Strukturell hat die Schule darüber hinaus positive Perspektiven: Die Grundschule, die bislang in den unteren Geschossen untergebracht ist, wird ins Gebäude der Schillerschule umziehen, bereits die Erstklässler für das übernächste Schuljahr 2022/23 werden dort eingeschult. Dann stehen deren Räume im Schulhaus an der Belfortstraße für die Realschule zur Verfügung. „Und sie werden auch dringend gebraucht“, bekennt der Rektor offen: „Das gilt vor allem für den Kunst- und Musikunterricht.“

 

Dagegen ist der naturwissenschaftliche Trakt gerade modernisiert worden. „In diesem Bereich sind wir jetzt top ausgestattet“, freut sich der Schulleiter. Damit verbundene Arbeiten am Dach werden gerade abgeschlossen, in Kürze daher das dafür nötige Gerüst abgebaut. „Eigentlich sollte es dann ein großes Einweihungsfest geben“, seufzt der Rektor: „Aber wegen Corona wird daraus natürlich nichts.“

 

Wie findet er es überhaupt, in einem historischen Gebäude zu arbeiten? „Zunächst einmal kenne ich das ja vom Tulla“, lacht er. Und natürlich gebe es bestimmte Nachteile, angefangen vom fehlenden Fahrstuhl, so dass die Kolleginnen und Kollegen alles Unterrichtsmaterial die Treppen hochschleppen müssen.

 

Dem stehe allerdings ein großer Vorteil gegenüber: der Charme eines historischen Gebäudes; die Tradition, die es atmet und die auch Gemeinschaft befördern kann. Immerhin haben zahllose Neckarauer in diesem Gebäude die Schulbank gedrückt: „Wir sind buchstäblich eine Schule im Herzen des Stadtteils.“

Standortvorteil nutzen

 

Und diesen Standortvorteil will Nuß nutzen; Ja, er sieht ihn sogar als Auftrag, die Schule in Richtung Stadtteil zu öffnen. „Ein Schul-Café“, das auch als Bühne für öffentliche Veranstaltungen dienen kann, schwebt ihm vor. Einen Schwerpunkt in der Außendarstellung sieht er schon jetzt in der Berufsorientierung. Mit der Firma Diringer + Scheidel, deren Zentrale nur wenige Schritte entfernt liegt, und dem Großkraftwerk, dessen Silhouette einem beim Blick aus dem Fenstern begegnet, bestehen seit langem intensive Kontakte.

 

Doch natürlich ist sich Nuß auch der Herausforderungen in einer sich ständig verändernden Bildungslandschaft bewusst. Gerade in Neckarau gibt es drei weiterführende Schulen: das Moll- und das private Bach-Gymnasium sowie die Waldorfschule mit seinem Weg zum Abitur. Doch Nuß stellt sich dem optimistisch, ja selbstbewusst: Für das kommende Schuljahr können zwei neue Klassen gebildet werden. „Zehn Prozent unserer Neuzugänge hatten eine Gymnasialempfehlung.“

 

Als Pfund sieht der neue Chef dabei seine 40 Kolleginnen und Kollegen. „Die Lehrerversorgung bei uns ist gut“, versichert er, ebenso der Altersschnitt: „Eine gute Mischung aus vielen Jüngeren, einem starken Mittelfeld und Alteren, deren aus Erfahrung gespeiste kritische Anmerkungen mir sehr willkommen sind.“

 

Ursprünglich will Nuß jeden von ihnen in einem Einzelgespräch kennenlernen. „Nur fünf habe ich bislang geschafft“, bekennt er. Wegen der alle Kraft fordernden Bewältigung der Pandemie ist er zu mehr nicht gekommen. So muss er nach dem Fototermin vor dem Haupteingang auch gleich wieder hoch. Wie gesagt: „So ist das derzeit eben.“

 


Mannheimer Morgen vom 7.04.21

 

Eigene Computer – eine Idee macht Schule

 

Sie liegen bei vielen ungenutzt herum: ausgemusterte Computer, die neuen Geräten weichen mussten. Die aber mit ein wenig technischem Know-how aufgerüstet und für den Fernlernunterricht lauffähig gemacht werden können. Das hat auch die Wilhelm-Wundt-Realschule (WWR) in Neckarau erkannt. „Wir stellten fest, dass die Lieferung und Einrichtung der vom Land zur Verfügung gestellten Endgeräte zum einen noch nicht abgeschlossen ist, und zum anderen die Menge der Geräte nicht ausreichend ist“, berichtet Schulleiter Matthias Nuß.

 

„Der für die IT verantwortliche Kollege Timo Fenske hatte die großartige Idee, ausgemusterte Rechner für die Schüler wieder funktionsfähig zu machen,“ freut sich der Rektor. 14 Geräte stehen zur Verfügung, „die Schüler dürfen die Geräte, anders als bei den Leihgeräten vom Land oder dem Schulträger, dauerhaft behalten“, so Matthias Nuß. Mit ihnen sei eine Teilnahme am Fernlernunterricht nicht nur mit Handy möglich. „Der Bedarf ist eindeutig da, und die Schülerinnen und Schüler nehmen die Geräte dankend an“, hat der Rektor festgestellt.

Initiativen von Eltern

 

Alisia und Samira aus der Klasse 5a waren die Ersten, die PCs auf diese Weise erhielten. „Selbst Schüler von anderen Schulen kamen vorbei und wollten Geräte habe. Leider können wir diesen Bedarf nicht decken“, bedauert Nuß.

 

Dass reihenweise Computer für den Fernlernunterricht gebraucht werden, hat auch Detlef Müller festgestellt. Der Vater eines Sohnes bekam über einen Aufruf eine Menge von Geräten, machte sie fürs Homeschooling fit und verteilt sie weiter – oder lässt sie weiterverteilen. Zum Beispiel an der Waldschule in der Gartenstadt, an die Müller vor Kurzem unter anderem dank einer Spende des Lions Clubs Mannheim Quadrate 15 Geräte übergeben konnte. Der Vater sucht neben weiteren PCs zum Aufrüsten „Digitalpaten“, die bereit sind, Schülern bei Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Wer helfen möchte, schreibt per E-Mail an computer-suchen-ein-neues-zuhause@ fantasymail.de.

 

Auch der Mannheimer Gesamtelternbeirat (GEB) hat im Februar eine Aktion mit dem gleichen Ziel gestartet. „Jedes Kind muss di

e Chance auf gute Bildung erhalten, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Bitte helfen Sie mit“, wirbt der GEB für seine Unterstützungsaktion „Ein Kind. Ein Tablet. Eine Chance.“ Weitere Infos gibt es unter bit.ly/3u7qOAI. bhr


Mannheimer Morgen vom 05.03.2021

 

 

Anmeldungen für Fünftklässler

 

Der neue Rektor Matthias Nuß stellt sich ebenso vor wie ein Teil des Kollegiums – und die Zuschauer können auf dem Bildschirm durchs Gebäude streifen: Auf der neu gestalteten Internetseite wilhelm-wundt-realschule.de bekommen die Besucher mittels eines von der Theater-AG produzierten Videos einen guten Einblick ins Leben der Realschule in Neckarau. Jetzt können dort Eltern die künftigen Fünftklässler für das kommende Schuljahr anmelden. Möglich ist das vom 8. bis 11. März. Für die Anmeldung sollte ein Termin mit dem Sekretariat (0621/85 13 07) vereinbart werden. Zudem stehe man für individuelle Beratungsgespräche, telefonisch oder auch online, nach Terminvereinbarung zur Verfügung, heißt es in einer Mitteilung der Realschule. bhr